WIEDERTÄUFER IN GUTENBERG
Dass in Gutenberg nicht nur friedliche Untertanen wohnten, zeigt die Geschichte der Wiedertäufer. Sie lehnten nach dem 30jährigen Krieg die Taufe und das Abendmahl als Sakrament ab und kamen damit natürlich mit der herrschenden Lehrmeinung in Konflikt. Neben Dettingen war Gutenberg Hochburg dieser Bewegung. Besonders Veit Frick, Enderlen Koch, Peter Steigleder und Peter Weber versammelten sich zu eigenen religiösen Veranstaltungen und blieben der Predigt des Pfarrers fern. Das Pfarramt Kirchheim lud sie vor und ermahnte sie zur Rückkehr zum protestantischen Glauben. Diese Maßnahmen nutzten jedoch nichts, da die „Abtrünnigen" sich nur an Weisungen von Gott gebunden fühlten und sie sich auch über das Verhalten des Pfarrers beklagten, der sie von der Kanzel herab schmähte. Daraufhin wurden sie in das Gefängnis gelegt, aber wegen ihrer vielen Kinder wieder auf freien Fuß gesetzt. Veit Frick, der Anführer, flüchtete ins Ausland nach Wiesensteig. Ende Mai 1653 bot er an, mit seiner Familie nach Ungarn auszuwandern, was aber abgelehnt wurde. Als er dann nach Hause zurückkam, wurde er verhaftet und ins Kirchheimer Gefängnis gelegt. Mitte August verlegte man ihn nach Stuttgart, wo Geistliche ihn zum rechten Glauben zurückbringen sollten. Nach achttägigen Unterweisungen sah Veit seinen Irrtum ein und versprach, regelmäßig das Abendmahl und den Gottesdienst zu besuchen. Daraufhin erfolgte seine Freilassung. Der Gutenberger Pfarrer wurde gleichzeitig angewiesen, Frick gegenüber bescheiden aufzutreten und ihm nicht durch unwirsches Verhalten vor den Kopf zu stoßen.